Jungfrau über Innerer Rottalgrat (Schweiz / Berner Alpen)

Startpunkt

Der Ausgangspunkt unserer Tour auf die Jungfrau über den Inneren Rottalgrat ist in Stechelberg. Hier fährt man nach Lauterbrunnen noch weiter in das Tal hinein bis man ansteht. Beim Hotel Stechelberg kann man gebührenpflichtig parken (8 SFR pro 24h). Das Geld das man beim Parken investiert, kann man im dazugehörigen Restaurant beim Hotel in Form von Getränken und Essen einlösen.

Hier geht’s zum Google Maps Link zum Parkplatz beim Hotel Stechelberg >>

Beschreibung der Tour

Tag 1 – vom Parkplatz Hotel Stechelberg zur Rottalhütte

Man geht vom Parkplatz nach rechts weiter hinein in das Tal zuerst auf einem asphaltierten Weg, bis nach circa 10 Minuten ein hölzernes Schild mit „Rottal“ auftaucht, dass die Abzweigung auf einen Steig nach links hinauf markiert.

Von jetzt an geht es steil bergauf zuerst noch im Wald, bald aber schon in der prallen Sonne (Sonnenschutz und genug zu trinken einpacken). Der Weg ist rotweiß markiert und immer eindeutig vorgegeben. Es geht über eine Alm und Weideflächen mit Schafen und Ziegen immer weiter hinauf. Vor der Halbzeit kommt man auch noch an einer kleinen Quelle vorbei, man sieht aber nur das Trinkgefäß (siehe Bilder).

Die Hälfte des Weges ist mit einem Stein markiert wo „1/2 Weg“ draufsteht. Diese Anmerkung stimmt relativ genau, wobei nun die Schwierigkeiten zunehmen. Ein bisschen nach dieser Markierung gibt es eine Abzweigung zur Silberhornhütte, diese ist genau ausgewiesen und man folgt nun einfach den blauweisen Markierungen weiter hinauf. Die „Schlüsselstelle“ der Tour ist ein ziemlich langer Felsaufschwung der mit einem Drahtseil gesichert ist. Man braucht kein Klettersteigset, aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich, da dieser Aufschwung relativ steil ist!

Danach geht es wieder einfacher weiter, ein Stein weist einen darauf hin, dass man noch ungefähr eine Stunde bis zur Hütte braucht (auch diese Markierung ist relativ genau). Erst kurz vor dem Ziel erblickt man die Hütte. Von da an sind es noch circa 15 Minuten, die man zuerst über Felsen geht, dann eventuell wie in unserem Fall ein Altschneefeld quert (oder alternativ dieses darunter umgeht) und einen letzten drahtseilgesicherten Aufschwung zur Hütte überwindet. Dann hat man den 1800 Höhenmeter und circa 5 Stunden dauernden Anstieg auf die Rottalhütte auf circa 2700m geschafft 🙂

Wir waren um 15 Uhr mutterseelenallein auf der Hütte (sie ist nicht bewirtschaftet, daher keine Reservierung möglich!) und haben dann noch den weiteren Aufstiegsweg erkundet. Dieser führt wenn man vor der Hütte steht links nach hinten vorbei und ist mit Marienkäfer, Reflektoren (gut für die Wegfindung in der Dunkelheit) und Steinmännchen markiert.

Tag 2 – Von der Rottalhütte auf den Gipfel der Jungfrau (über Innerer Rottalgrat)

Wir folgen den am Tag zuvor bereits ausgekundschafteten Weg nach hinten und dann links zu den Felsen. In einer leichten Kletterei (ca. II) überwindet man den ersten Felsaufschwung. Danach folgt man dem Grat zum Beginn der ersten Schwierigkeiten (Felspassagen). Bis hierher ist der Weg weiterhin mit Marienkäfern und Steinmännchen markiert. Ab dem Einstieg sind öfter rote Streifen als Markierungen vorhanden (genau schauen, sie sind nicht immer sofort zu sehen). Der Weg kreuzt mehrmals nach links in die Wände und folgt den Rissbändern zurück zum Grat. In der ersten steileren Passage sind teilweise Sicherungsstangen vorhanden. Hat man diese überwinden sieht man zurück am Grat, wenn man über den Sattel geht (hier liegt oft noch lange Schnee), das erste Sicherungsseil. Diesem folgend geht man bis zu dessen Ende wo bereits das zweite Seil in Sicht ist.

Danach kommt die orientierungstechnische Schlüsselstelle: Der Rampe links, bzw. gerade folgend hinauf bis man das zweite Seil “gefühlt” auf gleicher Höhe hat und dann erst zum Seil queren (zwei kurze Steilaufschwünge ca. II). Die mit dem Seil versicherte Stelle ist leicht überhängend und mit schwerem Rucksack kurz sehr kraftraubend. Nach dem Seil kommt die klettertechnische Schlüsselstelle (links haltend) bei einem ca. 3m Aufschwung (III+) zum Grat. Ab hier ist der Grat sehr brüchig, es sind jedoch nur noch wenige Meter zum Hochfirn-Gletscherfeld.

Vor dem Firnfeld müssen dann die Steigeisen angezogen werden, was durch die Steilheit erschwert wird. Danach entweder direkt nach dem Firngrat über eine der Rinnen zum Fels und über diesen kurz zum oberen Gletscherfeld oder (leichter aber riskanter) unter dem Eisabbruch durch die Spaltenzone nach links und den flacheren Firnrücken hinauf. Ab hier sieht man bereits den Gipfel und steigt auf diesem rechts neben dem Gipfelkreuz über die Firnwand und letzte Felsen (unschwierig) hinauf.

Der Abstieg

Der Abstieg ist fast eine eigene Tour und dauert noch einmal so lange wie der Aufstieg (circa 4,5 Stunden). Je nach Bedingungen hält man sich rechts und geht über den Schnee oder über die Felsen mit vorhandenen Sicherungsstangen. Der Weg ist sehr steil, daher sollte auch bei gutem Trittschnee teilweise mit den Stangen gesichert werden. Am Rottalsattel muss man den steilen Hang queren und dann am Sattel über eine Wechte absteigen (hier wird es noch einmal steiler und wir sind rückwärts abgestiegen, während der andere mit Pickel gesichert hat). Nach dem kurzen, aber steilen Abstieg muss unten noch ein Hang am Rottalhorn gequert werden. Hier erstens auf die Spalten achten und zweitens gehen vom Rottalhorn nordseitig je nach Schneelage immer wieder Lawinen ab – daher schnell sein, bzw. so früh wie möglich diese Stelle queren, da mit der Tageszeit die Wahrscheinlichkeit für Lawinen steigt.

Nach der Querung ist man in der “sicheren Zone”. Nun bis zum Rottalsporn dem Firn folgend und hier südseitig (in Abstiegsrichtung rechts) relativ nahe neben dem südlichen Firnfeld über die Felsen absteigen (anfangs kleine Steinmänner, danach Wegspuren). Man steigt zuerst mit kleineren Klettereien hinab und wendet sich dann Richtung Osten (in Abstiegsrichtung links) über das Band zum Regenmesser. Unter diesem steigt man dann weiter links haltend zum Gletscher ab. Achtung: Hier gibt es noch einen steilen Hang zu queren (Anseilen, Steigeisen anziehen und eventuell vor der Querung eine Eisschraube setzen) und eine große Randkluft zu überwinden. Nach der Randkluft geht es auf den Gletscher, wo man etwas absteigt bis man unter der Spaltenzone angekommen ist, danach quert man Richtung Jungfraujoch, welches jetzt schon ganz nah ist. Wer weiterfolgende Touren plant, wird dem Weg zur Mönchsjochhütte folgen. Es ist auch ein Abstieg zur Konkordiahütte möglich, aber dieser ist noch sehr lang und weist eine heikle Spaltenzone auf (Spalten ganzjährig verdeckt, jedoch sehr groß).

Empfehlungen & Hinweise

  • Gleich neben dem Hotel in Stechelberg ist ein Campingplatz, wer also Geld sparen möchte und einen frühen Start für den Zustieg will, kann dort übernachten
  • In der Rottalhütte liegt eine Topo auf, die sowohl den Zustiegsweg als auch den Routenverlauf skizziert – diese sollte man am Vorabend ausreichend studieren und mit dem Handy vorsichtshalber abfotografiert mitnehmen um sich die Wegfindung zu erleichtern (vor allem bis zum Einstieg)
  • Die Kletterei am Inneren Rottalgrat ist nicht schwer, vergleichbar wäre eventuell der Ortler Hintergrat, allerdings ist der Rottalgrat um einiges länger. Man sollte diese Schwierigkeit am laufenden Seil machen können, ansonsten braucht man viel zu viel Zeit
  • Die schwierigen Stellen sind mit einem Fixseil versehen, aber die Schlüsselstelle kurz vor dem Ausstieg auf den Firngrat ist NICHT versichert (ungefähr 3m lang III+)
  • Geht man die direkte Linie auf den Gipfel über die Felsen, ist ein nicht sehr langer, aber sehr steiler Hang von circa 45° zu überwinden – trotzdem würden wir diese Variante empfehlen, weil sie schneller und sicherer ist, als der Umweg über den Gletscher auf den Gipfel
  • Schnell sein! Je später am Tag es ist, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für Lawinen und die Schneebrücken über Gletscherspalten werden instabiler
  • Unterhalb des Jungfraujochs gibt es eine Pistenspur bis zur Mönchsjochhütte, allerdings erspart es einem nicht den Gegenanstieg von circa 300 Höhenmetern und die 1 bis 1 ½ Stunden Gehzeit

Unsere Equipmentempfehlungen

 

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