#12 Training für Klettersteig-Alpinisten

Allgemeine Hinweise (Bewertungsskala)

Klettersteige* erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, denn sie erlauben es auch Nicht-Kletterern ein bisschen Höhenluft zu schnuppern, ohne sich gleich mit Seil und Co. ausstatten zu müssen. Des Weiteren sind die schwierigen Passagen alle mit einem Seil versehen und meistens auch mit Trittleitern und diversen anderen Hilfsmitteln ausgestattet, die einen über Hindernisse hinweghelfen sollen. Dennoch sollte man auf jeden Fall je nach Schwierigkeitsgrad genügend Kraft, Ausdauer und auf jeden Fall Schwindelfreiheit mitbringen. Selbst für „bergtaugliche“ Kinder (ab 10 Jahren) sind Klettersteige maximal bis zum Schwierigkeitsgrad B zu empfehlen und ein Sicherungsseil ist Pflicht. Hier die Anhaltspunkte für den Schwierigkeitsgrad eines Klettersteigs:

  • Bewertung mit A: Ein sehr einfacher Klettersteig / eine einfache Passage, die meistens ohne Hände zu bewältigen ist (man kann sich aber immer am Seil festhalten wenn man möchte). Viele Geübte verzichten bei dieser Schwierigkeit auf ein Klettersteigset.
  • Bewertung mit B: Etwas schwieriger, meist auch steiler und ausgesetzter. Ein Klettersteigset wird empfohlen und bei Schwächeren/Anfängern und Kindern kann auch die Mitnahme eines kurzen Sicherungsseils angeraten werden.
  • Bewertung mit C: Durchaus anstrengender Klettersteig, mit kraftraubenden Passagen und auf jeden Fall mit vielen steilen und ausgesetzten Stellen. Klettersteige mit diesem Schwierigkeitsgrad kann man gehen, wenn man sich in der Schwierigkeit B wohl fühlt, Klettererfahrung und eine Portion Kraft und Ausdauer mitbringt.
  • Bewertung mit D: Sehr schwieriger und anstrengender Klettersteig. Meistens das obere Limit, welches man mit der nötigen Schwindelfreiheit, Kraft und Ausdauer noch gut bewältigen kann, sofern einzelne Passagen mit D bewertet sind und nicht durchgehend. Ansonsten ist auch hier eher abzuraten. Bei D-Klettersteigen sollte man niemals bei nassen Verhältnissen einsteigen und in sehr guter körperlicher Verfassung sein.
  • Bewertung mit E und F beziehen sich auf Sportklettersteige auf die wir hier nicht weiter eingehen möchten. Kurz gesagt sind diese Steige fast immer leicht überhängend oder führen über glatte Platten. Wir selber gehen solche Klettersteige nicht und können und möchten dazu deshalb auch keine Aussagen treffen.

*Klettersteige sind (draht-)seilversicherte Wege, die je nach Schwierigkeitsgrad mit diversen Eisenstiften, Trittleitern/-klammern, und ähnlichem ausgestattet sein können. Früher wurden Wanderwege mit Drahtseilen versichert um sie sicherer zu machen, heute werden eigene Klettersteige konzipiert, die teilweise auch sehr luftig (über einen Abgrund) mit Hilfe von Trittklammern verlaufen können. Eine spezielle Form von Klettersteigen sind Sportklettersteige, deren Ausrichtung deutlich auf Kraft geht und die keinesfalls zu unterschätzen sind.

Ausrüstungshinweise: Packliste Klettersteig

Vorbereitung

Einen Klettersteig sollte man nie alleine gehen. Ein Ausrutscher, eine Unachtsamkeit oder lose Steine und Griffe können zu einem Unfall führen. Ist man danach nicht im Stande sich selbst zu helfen oder die Bergrettung zu verständigen, so sollte immer eine zweite Person in der Nähe sein.

Vor dem Einstieg in den Klettersteig ist an einer vor Steinschlag sicheren Stelle der Helm aufzusetzen und der Klettergurt anzuziehen. Danach fädelt man das Klettersteig-Set ordnungsgemäß durch den Anseilring des Klettergurts. Ebenso bereitet man zumindest eine 60cm lange Bandschlinge mit Karabiner (Empfehlung mit Halbmastwurf) vor. Vor dem Einstieg ist unbedingt ein Partnercheck durchzuführen:

  • Klettergurt richtig angezogen und geschlossen (Bänder gut verstaut)
  • Klettersteigset richtig eingebunden und ohne Mangel (Karabiner, Bandfalldämpfer, Schlingenarme)
  • Sicherungsschlinge (Bandschlinge mit Karabiner) richtig gebunden

Eventuell noch ein Schluck aus dem Getränk und los gehts.

Aufstiegstechnik

Wie geht man einen Klettersteig an?

Es gibt mehrere Varianten die Karabiner zu führen. Man merkt jedoch schnell das vor allem bei steilen Passagen die Karabiner tiefer rutschen als man diese noch mit der Hand greifen kann. Daher empfiehlt es sich, die Schlingenarme über den Unterarm zu führen, da man damit bei einem Griff in das Seil, auch die Karabiner mit nach oben schiebt.

Gelangt man zu einer Seilsicherung, begibt man sich so früh wie möglich in eine sichere Standposition (unbedingt auf gestreckte Arme achten, das spart viel Kraft) und hängt die Karabiner einzeln(!!!) um. Niemals beide Karabiner gleichzeitig bedienen, da man dadurch kurzzeitig ungesichert ist (Absturzgefahr!).

Ein paar Anmerkungen zum Thema Klettersteig:

  1. Spaß haben

Vorab: Ein Klettersteig kann sehr viel Spaß machen. Es ist ein kleines Abenteuer, man hat viele Hilfsmittel und meistens auch einzigartige Aussichten und spannende Erlebnisse. Damit man einen Klettersteig auch genießen kann, sollte er unbedingt dem Niveau entsprechen, welches der Besteiger hat, ansonsten erhöht man unnötig das Risiko. Wer einmal zu weit geht, kann die Freude am Bergsport schnell verlieren  – siehe die weiteren Punkte. Diese dienen nicht zur Abschreckung, sondern sollen einfach nur auf gewisse Dinge aufmerksam machen, die dem einen oder der anderen nicht so bewusst sind.

  1. Sturz im Klettersteig

Das Klettersteigset ist nur für den absoluten Notfall (Sturz) gedacht und sollte nicht dazu verwendet werden sich hineinzusetzen oder herumzuspielen. Das kleine Päckchen am Ende des Klettersteigsets reißt bei einem Sturz auf und es kommt der Bandfalldämpfer zum Einsatz, der den Sturz dämpfen soll. Rechnet man den Weg bis zu nächsten Sicherung im Drahtseil die man fällt + die Länge der Arme beim Klettersteigset + den Bandfalldämpfer, kann man davon ausgehen, dass man bei einem Sturz ungefähr 4-5 Meter hinunterfällt, was meistens durch das stufenartige Gelände bei Klettersteigen zu einer Verletzung führt. Auch schwere innere Verletzungen durch den harten Aufprall können die Folge sein. Daher sollte man immer nur Klettersteige gehen, denen man sich körperlich und psychisch(!) gewachsen fühlt. Bei einem mulmigen Gefühl sollte man erst gar nicht in den Klettersteig einsteigen – siehe auch Punkt 3

  1. Abbruch mitten im Klettersteig

Ist man in einen Klettersteig eingestiegen und möchte diesen aufgrund von schwierigen Passagen, körperlicher Überanstrengung oder Angst/Panik verlassen, so ist fast ausschließlich nur bei sogenannten Notausstiegen im Klettersteig möglich. Hat der Steig keinen Notausstieg, oder ist an der Stelle wo man abbrechen möchte kein Ausstieg, so hat man die Möglichkeit umzudrehen (was aber meistens nur mit unliebsamen Gegenverkehr zu bewältigen ist, was wiederum zu Schwierigkeiten führen kann in schwierigen Passagen), man geht den Klettersteig zu Ende, oder muss sich von der Bergrettung holen lassen. Da diese Optionen alle ein gewisses Risiko in sich bergen, sei an dieser Stelle wiederum auf die Bewertungsskala hingewiesen. Safety first!

  1. Wetterumbruch / Gewitter

Durch die verschiedenen Versicherungen mit Eisenstifte, Drahtseilen und Co. ist es bei einem Gewitter in einem Klettersteig besonders gefährlich. Daher die dringende Warnung: Niemals bei der Möglichkeit eines Gewitters in einen Klettersteig einsteigen (siehe dazu auch Punkt 3 – es ist oft kein Abbruch möglich)! Da ein Gewitter manchmal auch unvorhergesehen eintreten kann, wird empfohlen im Sommer früh einzusteigen, da die Gewitterwahrscheinlichkeit am Nachmittag ansteigt. Auch bei angesagtem Regen raten wir dringend davon ab in einen Klettersteig einzusteigen, da die erhöhte Rutschgefahr bei Regen massiv den Schwierigkeitsgrad und damit die Möglichkeit eines Sturzes erhöht. Viele Klettersteige verlaufen durch Wandschluchten und Grasbänder. Nach Regenfällen können diese teilweise mehrere Tage nass sein. Dies ist zu berücksichtigen.

  1. „Trick 17“ Notfallplan am Klettersteig

Sollte man sich an der Schlüsselstelle nicht mehr weitertrauen, so gibt es durchaus Möglichkeiten:

  • Pause zum Krafttanken: Liegt der Grund an der Ermüdung, so kann man die (hoffentlich) mitgenommene Bandschlinge an einer Seilsicherung mit Karabiner einhängen und sich in den Hüftgurt setzen (nicht in den Bandfalldämpfer, also direkt in das Klettersteigset setzen). Nach 10min Pause, trinken und eventuell einem Müsliriegel geht es mit frischen Kräften weiter.
  • Sicherungsseil: Ist man mit einem stärkeren Partner unterwegs und hat man als Vorsichtsmaßnahme an das Sicherungsseil gedacht, so kann man sich von seinem Partner sichern lassen. Wichtig ist dabei, dass das Seil oben richtig an einem Fixpunkt gesichert ist (HMS-Sicherung, Tuber). Man kann nun auch in einer schwierigen Stelle kurz pausieren bzw. wird von oben durch den Partner vor dem Fallen gesichert.
  • Prusik-Aufstieg: Wie im Alpinklettern das technische Klettern, gibt es auch am Klettersteig die Möglichkeit, sich über eine schwierige Stelle mittels Ausrüstung zu „schummeln“ (Achtung: Keine Lehrmeinung sondern Best Practise): Wird ein Prusikknoten 3-4mal gewickelt, so ist die Reibung stark genug, um auch an einem Stahlseil zu haften. Hängt man sich diesen Prusik an die Selbstsicherung, so kann man sich jederzeit in den Prusik setzen und entlasten. An den Seilsicherungs-Stellen wird ein zweiter Prusik oberhalb gebunden, eine zweite Sicherungsschlinge, nach einem kurzen Armzug nach oben, dort eingehängt und danach der 1. Prusik wieder gelöst.
  • Quergänge: Viele Klettersteige haben als Schlüsselstelle einen überhängenden oder auf Reibung aufgebauten Quergang. Auch für diesen helfen 2 Stück kurze Selbstsicherungsschlingen oder Expressen, um sein Gewicht an das Seil zu hängen. Die Arme ziehen den Körper dann nur mehr seitwärts.
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